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Weder “Blond” noch “Blöd” [4.Update]

Weder “Blond” noch “Blöd” [4.Update]

Andreas Schwartmann hat mich auf Frau Judith Holfelder/Holofernes (Frontfrau der Band “Wir sind Helden”) aufmerksam gemacht. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Dame Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert hat. Mit diesem Hintergrund ist ihr klar, dass das Medium die Botschaft ist. Wenn Promis auf großen Plakatwänden über die BILD-Zeitung schreiben ist das Werbung genug, selbst wenn da stehen würde “Bild ist Schrott”. Deswegen kann ich mich auch nicht daran erinnern, was Roger Willemsen geschrieben hat – nur das ich mich gewundert hatte, dass er sich für die BILD-Kampagne hergegeben hat.  Die Dame hat ihre Meinung auch auf der Band-Webseite und nicht auf dem Plakat ausgedrückt, mit absehbarem Ergebnis:

Der Server raucht

Ihr seid leider zu viele und unser Server ist in den Knien.
Wir hoffen bald wieder für euch da zu sein!

Weswegen ihr (wahrscheinlich) auch gekommen seid:

Quelle http://www.wirsindhelden.de/index.html am 26.02.2011

Das die Meinung nicht sonderlich schmeichelhaft ausfallen würde musste klar sein, schließlich war sie auch schon einmal “BildBloggerin für einen Tag”. Dabei hat sie über den “ironischen Bild-Zeitungs-Kunden” geschrieben:

Und, ich weiß, ich soll mich nicht so haben, aber damit hast du dem Feind dein Geld gegeben und mit fuffzig Cent die Writer der Apokalypse finanziert. Denn die “Bild” ist und bleibt kein Lifestyleaccessoire, sondern, für alle Zeiten, das perfideste Werkzeug des Blöden. Blöd wie in: dumm, und “dumm” wie in “Doom”, also Verderben.

Ich selbst habe die Bild Zeitung noch nie gekauft – lese nur die Schlagzeile am Kiosk und höre mir an was mein Bild-Zeitung-Lesender-Kollege so erzählt. Dem habe ich letztens die aktuell 319-Artikel zum Thema im BildBlog empfohlen. Dort werden überwiegend handwerkliche Fehler aufgezeigt: Erfundene Zitate, sachliche Fehler und vieles mehr. Gerne angeprangert, aber eine Ebene schlimmer ist das häufige Eingreifen in die Privat-/Intimsphäre nicht nur von VIP’s, sondern auch von Verbrechensopfern und Tätern oder Menschen, die der BILD sonstwie interessant erscheinen.

Die aktuelle Kritik der Sängerin trifft aber einen deutlich gravierenderen Punkt:

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Altkanzler Schröder sah das ähnlich, er wollte alleine mit “Bild, Bams und Glotze” regieren. Auch wenn man über die Wirksamkeit der BILD-Kampagnen streiten kann (z.B. wurde hier darauf hingewiesen, das die BILD “nur” 4 Mio Leser erreicht) ist eine Diskussion über die Rolle der Medien als 4. Gewalt in Zeiten von Internet, Wikileaks sicher nicht falsch.

1. Schlusswort: Immerhin, eines muss man den Werbeprofis lassen. Anders als unser Plagiats-Gutti machen die bessere Krisenkommunikation:

Jung von Matt hat sich gegenüber kress.de zu dem Vorfall folgendermaßen geäußert: “Bild und Jung von Matt haben Wir sind Helden um ihre Meinung zu Bild gefragt und Judith Holofernes hat für Wir sind Helden geantwortet und hat ihre Meinung veröffentlicht. Dass wir niemanden in seiner freien Meinungsäußerung einschränken wollen, haben wir in unserer Anfrage deutlich gemacht.”

Quelle: Kress

2. Schlusswort: Wer die Haarfarbe der Dame beurteilen möchte:

oder in diesem Video:

Update: Die Diskussion geht bei der TAZ weiter. Die Jungs verkaufen Ihre Zeitungsseiten (für ~13.000 €) auch an die Bild-Zeitung:

Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP. Wir würden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht häufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen.Es wäre ja absurd, wenn ausgerechnet die taz, bei der die Werbeeinnahmen in kritische Berichterstattung fließen, auf die Werbeeinnahmen verzichten sollte, während andere davon profitieren. Die Anzeige ist klar als solche erkennbar und daher habe ich keine Bauchschmerzen, dass wir sie abdrucken.

Quelle: Kommentar von Sebastian Heiser

Dabei wird die TAZ doch auch damit, das die Unabhängigkeit durch Genossen und Abonnenten gesichert wird.

2. Update: Diskussion der rechtlichen Aspekte bei Telemedicus, Interviews bei RA Kompa

3. Update: Zur Diskusion ob die Netzwelt auf einen Marketing-Gag reingefallen ist wie hier:

Ach…und war es nicht u.a. die taz, die auch über die Heldenhaftigkeit von Judith Holofernes berichtet hat und die ganze twitter-Welt hat bestimmt, dass die Leadsängerin einer Band, von der vorher nur noch sehr wenig Menschen gesprochen haben, eine ganz tolle Frau ist. Genau diese tolle Frau hat übrigens ein paar Tage später bei “B. trifft” genauso heldenhaft mitgeteilt, dass sie sich sehr über die ganze Publicity freut, denn schließlich geht die Band bald auf Tournee…, tja liebe twitter-Welt: echte Helden wirken im Verborgenen!!

“Wir sind ja sooo deutsch”

Dazu sage ich nur “Tue gutes und rede darüber

4.Update (11.07.2011): Bin über einen guten Artikel zu der Kampagne als solche gestolpert:

Die BILD greift zu einem psychologischen Trick und instrumentalisiert zu dessen Umsetzung willfährige Prominente, die das taktische Manöver entweder nicht durchschauen oder aber – wahrscheinlicher – den persönlichen Anstand zurückstellen. Denn die Botschaft der scheinbar kritischen BILD-Spots ist unzweifelhaft:

So vieles man an der BILD auch kritisieren mag, so unangreifbar ist doch ihre Stellung in der Gesellschaft. Und weil man so unangreifbar ist, besitzt man auch die Souveränität, kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.

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Wahlplakat FDP

Wahlplakat FDP

Ja ich weiß, die FDP hat sich wegen der Inkompatibilität mit dem Internet entschieden auf die “.” zu verzichten. So weit ist es mit dem Internet aber wohl nicht her, ich wollte mir das aktuelle Wahlplakat online besorgen, in der Rubrik Kampagnen war der neueste Eintrag aus 2005…

Aber was macht man nicht alles für die Leser(Quelle)

Das interessante ist nicht der lächelnde Herr Goll, sondern die Assoziation mit “oben bleiben”. Einem der Schlachtrufe der Gegner von Stuttgart 21. Nur ist die FDP für die Umsetzung von Stuttgart 21.  Glaubt da jemand den ein oder anderen S21-Gegner für sich zu gewinnen?

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