ToP
Abgänge III
Je höher die in der Öffentlichkeit verkündeten moralischen Werte sind desto tiefer ist der Fall, wenn die eigenen Schwächen an das Tageslicht kommen. Sehr gute Beispiele dafür sind die Fälle “Friedmann” und “Mixa“.
In diese Reihe passt vermutlich auch dieser Fall:
Tagsüber predigte er zu seiner Gemeinde und am Abend wurde er anscheinend zum Sünder. Ein Priester aus Metz in Frankreich traf sich an einem “schwermütigen Abend” mit einer Prostituierten. Doch bei einer Begegnung soll es nicht geblieben sein, denn er vermittelte die Frau offenbar weiter.
via Frankreich: Priester soll als Zuhälter gearbeitet haben.
Wie man trotz eines Fehltrittes in einem Amt mit hohen moralischen Vorstellungen überlebt, hat Frau Käßmann vorgemacht. Sie hat schnell die Konsequenzen gezogen (= ihre eigene Schwäche eingestanden) und sich damit den Weg für ein Comeback eröffnet.
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0Rechtschreibung
Ich bin durchaus froh über die “automatische Rechtschreibkontrolle”. Die kann man aber auch für bestimmte Bereiche ausschalten, sonst wird aus dem englischen I predict a riot das korrigierte I pedigt a rotzot (wobei rotzot vermutlich auch in einem deutschen Wörterbuch nicht vorkommt):
(Frankfurter Rundschau via Bildblog – mit der Auflistung der weiteren Fehler)
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Weder “Blond” noch “Blöd” [4.Update]
Andreas Schwartmann hat mich auf Frau Judith Holfelder/Holofernes (Frontfrau der Band “Wir sind Helden”) aufmerksam gemacht. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Dame Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert hat. Mit diesem Hintergrund ist ihr klar, dass das Medium die Botschaft ist. Wenn Promis auf großen Plakatwänden über die BILD-Zeitung schreiben ist das Werbung genug, selbst wenn da stehen würde “Bild ist Schrott”. Deswegen kann ich mich auch nicht daran erinnern, was Roger Willemsen geschrieben hat – nur das ich mich gewundert hatte, dass er sich für die BILD-Kampagne hergegeben hat. Die Dame hat ihre Meinung auch auf der Band-Webseite und nicht auf dem Plakat ausgedrückt, mit absehbarem Ergebnis:
Der Server raucht
Ihr seid leider zu viele und unser Server ist in den Knien.
Wir hoffen bald wieder für euch da zu sein!Weswegen ihr (wahrscheinlich) auch gekommen seid:
Quelle http://www.wirsindhelden.de/index.html am 26.02.2011
Das die Meinung nicht sonderlich schmeichelhaft ausfallen würde musste klar sein, schließlich war sie auch schon einmal “BildBloggerin für einen Tag”. Dabei hat sie über den “ironischen Bild-Zeitungs-Kunden” geschrieben:
Und, ich weiß, ich soll mich nicht so haben, aber damit hast du dem Feind dein Geld gegeben und mit fuffzig Cent die Writer der Apokalypse finanziert. Denn die “Bild” ist und bleibt kein Lifestyleaccessoire, sondern, für alle Zeiten, das perfideste Werkzeug des Blöden. Blöd wie in: dumm, und “dumm” wie in “Doom”, also Verderben.
Ich selbst habe die Bild Zeitung noch nie gekauft – lese nur die Schlagzeile am Kiosk und höre mir an was mein Bild-Zeitung-Lesender-Kollege so erzählt. Dem habe ich letztens die aktuell 319-Artikel zum Thema im BildBlog empfohlen. Dort werden überwiegend handwerkliche Fehler aufgezeigt: Erfundene Zitate, sachliche Fehler und vieles mehr. Gerne angeprangert, aber eine Ebene schlimmer ist das häufige Eingreifen in die Privat-/Intimsphäre nicht nur von VIP’s, sondern auch von Verbrechensopfern und Tätern oder Menschen, die der BILD sonstwie interessant erscheinen.
Die aktuelle Kritik der Sängerin trifft aber einen deutlich gravierenderen Punkt:
Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.
Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
Altkanzler Schröder sah das ähnlich, er wollte alleine mit “Bild, Bams und Glotze” regieren. Auch wenn man über die Wirksamkeit der BILD-Kampagnen streiten kann (z.B. wurde hier darauf hingewiesen, das die BILD “nur” 4 Mio Leser erreicht) ist eine Diskussion über die Rolle der Medien als 4. Gewalt in Zeiten von Internet, Wikileaks sicher nicht falsch.
1. Schlusswort: Immerhin, eines muss man den Werbeprofis lassen. Anders als unser Plagiats-Gutti machen die bessere Krisenkommunikation:
Jung von Matt hat sich gegenüber kress.de zu dem Vorfall folgendermaßen geäußert: “Bild und Jung von Matt haben Wir sind Helden um ihre Meinung zu Bild gefragt und Judith Holofernes hat für Wir sind Helden geantwortet und hat ihre Meinung veröffentlicht. Dass wir niemanden in seiner freien Meinungsäußerung einschränken wollen, haben wir in unserer Anfrage deutlich gemacht.”
Quelle: Kress
2. Schlusswort: Wer die Haarfarbe der Dame beurteilen möchte:
Update: Die Diskussion geht bei der TAZ weiter. Die Jungs verkaufen Ihre Zeitungsseiten (für ~13.000 €) auch an die Bild-Zeitung:
Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP. Wir würden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht häufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen.Es wäre ja absurd, wenn ausgerechnet die taz, bei der die Werbeeinnahmen in kritische Berichterstattung fließen, auf die Werbeeinnahmen verzichten sollte, während andere davon profitieren. Die Anzeige ist klar als solche erkennbar und daher habe ich keine Bauchschmerzen, dass wir sie abdrucken.
Quelle: Kommentar von Sebastian Heiser
Dabei wird die TAZ doch auch damit, das die Unabhängigkeit durch Genossen und Abonnenten gesichert wird.
2. Update: Diskussion der rechtlichen Aspekte bei Telemedicus, Interviews bei RA Kompa
3. Update: Zur Diskusion ob die Netzwelt auf einen Marketing-Gag reingefallen ist wie hier:
Ach…und war es nicht u.a. die taz, die auch über die Heldenhaftigkeit von Judith Holofernes berichtet hat und die ganze twitter-Welt hat bestimmt, dass die Leadsängerin einer Band, von der vorher nur noch sehr wenig Menschen gesprochen haben, eine ganz tolle Frau ist. Genau diese tolle Frau hat übrigens ein paar Tage später bei “B. trifft” genauso heldenhaft mitgeteilt, dass sie sich sehr über die ganze Publicity freut, denn schließlich geht die Band bald auf Tournee…, tja liebe twitter-Welt: echte Helden wirken im Verborgenen!!
Dazu sage ich nur “Tue gutes und rede darüber”
4.Update (11.07.2011): Bin über einen guten Artikel zu der Kampagne als solche gestolpert:
Die BILD greift zu einem psychologischen Trick und instrumentalisiert zu dessen Umsetzung willfährige Prominente, die das taktische Manöver entweder nicht durchschauen oder aber – wahrscheinlicher – den persönlichen Anstand zurückstellen. Denn die Botschaft der scheinbar kritischen BILD-Spots ist unzweifelhaft:
So vieles man an der BILD auch kritisieren mag, so unangreifbar ist doch ihre Stellung in der Gesellschaft. Und weil man so unangreifbar ist, besitzt man auch die Souveränität, kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
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0Vertrauensbildende Maßnahmen
Vieles kann man vom Schreibtisch aus nicht wirklich sicher beurteilen, häufig muss man einfach den Angaben des Gegenübers bis zu einem gewissen Punkt vertrauen. Einer meiner Bußgeldkunden versuchte es jetzt mit zwei besonderen vertrauensbildenden Maßnahmen:
- Es gibt eine Gewerbeabmeldung zum 31.05. des Jahres. Da als Abmeldegrund “Wegen Nötigung der Behörde xxx” angegeben war, hat mir das Gewerbeamt freundlicherweise gleich eine Kopie geschickt, zusammen mit der Gewerbeanmeldung zum 1.6. des Jahres. Eine weitere Kopie der Abmeldung kam auch vom Kunden, zusammen mit der Bemerkung “die Firma gibt es nicht mehr”.
- Auf den Vorhalt der erneuten Gewerbeanmeldung wurde telefonisch reagiert. Leider nicht wirklich sachverhaltsaufklärend. Es wurde lediglich angefragt, wie die Amtsbezeichnungen des Bußgeldsachbearbeiters und des verantwortlichen Abteilungsleiters sind, man wolle Anzeige wegen Nötigung im Amt erheben.
Da meine Bescheide inzwischen bestandskräftig sind habe ich genügend Vertrauen, dass die Beitreibung erfolgreich verlaufen wird…
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starke Paßwörter ./. Benutzersperre
Die c’t hat in einer ihrer letzten Ausgaben die Möglichkeiten von brute-force Angriffen auf Paßwörter verschiedener Stärke dargestellt. Ein Leserbrief fordert, statt den Nutzer mit Paßwortanforderungen zu quälen, doch nach einer bestimmten Zahl von Fehlversuchen das Nutzerkonto zu sperren.
Der Vorschlag ist sicher im Unternehmensumfeld gut, in den meisten Fällen bringt er jedoch wenig:
- Häufig braucht der Hacker nicht ein bestimmtes Konto. Für den Spamversand reicht es aus, ein beliebiges Konto zu kapern. D.h. man probiert nicht verschiedene Paßwörter für ein Konto aus (was die Sperre auslöst), sondern für ein populäres Paßwort (z.B. Passwort, geheim, sex) verschiedene UserID’s. Damit bleibt man bei den meisten Systemen unter dem Radar der Sperre.
- Wer kann die Sperre zurücksetzen? Eine Zeitsperre (“bitte warten Sie 5 Minuten”) verlängert zwar die Zeit, verhindert den Angriff aber nicht. Zumal man es ja bei verschiedenen Konten parallel probieren kann.
Eine “harte” Sperre, die nur vom Administrator zurückzusetzen ist, ist äußerst kundenunfreundlich. Ein mir bekannter Mailanbieter verlangt nach einer Vielzahl von Fehlversuchen einen Anruf beim Kundenservice, unter einer 0900-Nummer. Wenn ich jeden Morgen eine solche Nummer anrufen muss, nur weil in der Nacht ein Hacker etwas rumgespielt hat, bleibe ich nicht lange Kunde. - Und zu guter Letzt die normalen Passwort-Recovery-Probleme. Wie will ein Internet-Anbieter, der häufig nicht mehr von mir in der Hand hat als eine Mailadresse und einen Namen mich sicher identifizieren?
Als Beleg, dass schwache Paßwörter und schnelles Sperren funktioniert werden die Bank-PIN’s angeführt. Dort seien keine Mißbrauchsfälle bekannt. Der Vergleich hinkt aber: Beim Online-Banking entsteht der Schaden erst mit der TAN, und wenn ich die rausbekomme, besorge ich die PIN einfach auf gleichem Weg. Und wer bekommt es mit, dass jemand sein Konto anschaut – aber keine Überweisung tätigt.
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1Die bösen Tricks in der Großküche
Promi-Köche lieferten vor einiger Zeit der Bahn Speisewagen-Rezepte – leider mit unerwarteten Nebenwirkungen.
Dem Gericht wurden außer gehärtetem Palmfett auch Hefeextrakt, das Verdickungsmittel Xanthan, Zitronensäure und nicht näher definierte Aromen beigesetzt, wie die Verbraucherorganisation Foodwatch vergangene Woche enthüllte.
[...]
Bei der Bahn hält man das Ganze für ein Missverständnis, die Rezeptur sei nicht verändert worden. Man habe die Gerichte in den Großküchen der beauftragten Produzenten nachkochen lassen, sie seien am Ende durch Wiener freigegeben worden. Trotzdem reagiert das Unternehmen – und will ab Juni die “Qualität bei der Produktion unserer Menükomponenten” verbessern. Zusatzstoffe wie Hefeextrakt, gehärtete Fette und Maltodextrin würden in den Gerichten der Sterneköche nicht mehr verwendet.
(danke an Gastgewerbe Gedankensplitter für den Hinweis)
Was lernen wir daraus:
- Lebensmittelrecht ist irre kompliziert – erfüllt den Zweck aber immer noch nicht
- Bei allem Schimpfen auf die “bösen” Zusatzstoffe kann auch ein Profi sie im Endprodukt scheinbar nicht ohne weiteres erkennen
(c) monika / pixelio.de
Aus eigener Erfahrung: Bei den Bäckereien ist es gerade umgekehrt. Während etliche kleine/mittlere Bäckereien nach dem Motto Für jedes Brot eine andere Tüte(Backmischung) arbeiten, wird in den “Brotfabriken” meist ohne gearbeitet. Die Mehrkosten der Backmischung überwiegen dort deutlich den Aufwand des (maschinellen) Zusammenmischens der Grundzutaten. Auch ein “echter Sauerteig” ist in den “Brotfabriken” Standard und rentabel. Aber auch dort wird mit Zusatzstoffen gearbeitet, denn ohne einen Emulgator würde der Teig die Maschinen verkleben…
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0Die Polizei schützt den Bürger, aber wer schützt die Polizei ?
Wo ist es sicherer als direkt neben einem Polizeirevier? Die Polizei symbolisiert Schutz und Sicherheit. So dachte ich früher auch.
Habe dann aber gelernt, das die Polizei auch geschützt werden muss. Auch eine Polizeidienststelle ist nicht dauernd besetzt / hat ständig die Zeit, alles im Auge zu behalten. Zum Schutz reicht recht häufig so etwas Banales wie ein Hoftor oder eine Garage. Mich würde ja interessieren, welche Hindernisse die “Autonomen SpaziergängerInnen” in Freiburg überwinden mussten bevor sie ein Autole anzünden konnten?:
© Tim Caspary / pixelio.de
Unbekannte haben am Sonntagmorgen gegen 2:20 Uhr einen Streifenwagen auf einem Parkplatz beim Polizeirevier Freiburg-Nord angezündet. Auf linksunten.indymedia.org bekannten sich kurz darauf ‘Autonome SpaziergängerInnen’ zu der Tat, bei der ein Sachschaden von mehreren tausend Euro entstand.
Quelle: fudder
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4Firmenkostrukte II
In einer kleinenMiniserie will ich verschiedene nette Firmenkonstrukte aufführen – heute der “Mittelständler”.
Er war mein erster Kunde, der Probleme mit der Frage nach der Mitarbeiteranzahl hatte. Auf meine Nachfrage hin wurde mir erklärt:
Er betreibe in einem Gebäude acht verschiedene Tätigkeiten (z.B. einen Verlag, eine Druckerei, ein Fitnessstudio, eine Zeitarbeitsfirma…). Diese acht Tätigkeiten seien in drei rechtlich selbständige Firmen aufgeteilt. Der Personaleinsatz erfolge komplett flexibel, d.h. es gebe zwar eine Zuordnung von Mitarbeiter zu einer der Firmen, aber nicht zu einer bestimmten Tätigkeit. Insbesondere könne jeder für alles eingesetzt werden. Deswegen sei auch für die Firma keine vernünftige Zahl zu nennen.
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2professionelles Plagiat
Journalisten sind professionelle Schreiber. Wenn ein Journalist von einem anderen abschreibt – ist das dann auch professionell? Nein, meint die Redaktion:
Dies ist peinlich und ärgerlich zugleich, denn Texte quasi als Patchwork aus Artikeln anderer zusammenzunähen, widerspricht dem Selbstverständnis unserer Redaktion. Es ist inakzeptabel, und wir können uns nur bei den betroffenen Autorinnen und Autoren, aber auch bei Ihnen als Leserinnen und Leser dafür entschuldigen. Hier wurde nicht nur Ihr Vertrauen beschädigt, sondern auch die Arbeit der anderen Redakteure diskreditiert, die sich redlich bemühen, die Regeln des journalistischen Handwerks einzuhalten.
Quelle: http://www.badische-zeitung.de/wir-ueber-uns-4/wir-ueber-uns-xu33om6ax
Die Einsicht hat leider etwas länger gebraucht, wie man bei Rudi Raschke lesen kann:
Ich habe diese Form im Blog bereits 2007 gewählt und zeitgleich die Chefredaktion informiert. Zurück kam eher ein verbales Achselzucken, das Thema war dann kurz Flurfunk, soweit ich weiß aber nie Gegenstand einer kleinen oder großen Redakteurs-Runde. Damit war leider die Grundlage für die jetzt heraus gekommenen Kopien gelegt. [...]Man fühlte sich „vorgeführt“, was in einem SWR-Interview anklang, offenbar aber nicht von der eigenen Kollegin, sondern von dem, der es aufdeckt.
Dort sind auch verschiedene Plagiate des Kistlergates dokumentiert. Es gibt auch ein Interview mit dem Deutschlandfunk (via BildBlog)
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0Gewaltenteilung in der IT-Sicherheit
Heute mal ein Beispiel, wie man IT-Sicherheit nicht planen sollte:
“Hoher Schutzbedarf” bezüglich Vertraulichkeit ist bei Daten eigener Mitarbeiter fast immer gegeben. Die Daten von Kollegen/Chefs sind meistens interessanter als die von Lieschen Müller aus Hintertupfingen. Im konkreten Fall sollte der Zugriff auf diese speziellen Daten zudem auf absolute Ausnahmefälle begrenzt werden. Deswegen wurde für diese kritischen Daten ein Regelungvorschlag erarbeitet und mit großem Brimbamborium vorgestellt:
- Die Daten werden ausschließlich auf einem zentralen System gespeichert
- Der Zugang wird durch eine achtstellige Zahl gesichert, davon werden je vier Ziffern bei Organisationseinheit A und B hinterlegt.
Der Grundgedanke, ein Vier-Augen-Prinzip auch technisch abzusichern ist ja ganz löblich. Aber die Speicherung auf dem Zentralen Server sorgt für zusätzliche Risiken (Kumulationeffekt). Wurde ja bei ELENA und Vorratsdatenspeicherung reichlich öffentlich diskutiert.
Die vier Ziffern je Organisationseinheit als Zugriffsschutz haben bei mir nur ein müdes Lächeln hervorgerufen. Angenommen, ich kenne eine Hälfte, dann bleiben für die andere – durch die Beschränkung auf Ziffern - noch 4 hoch 10 = 10.000 Möglichkeiten. Wenn ich das maschinell durchprobieren kann, habe ich in weniger als einer Sekunde alle Möglichkeiten durch.
Zur Not könnte ich die auch von Hand durchprobieren. Selbst bei einem System, das mich nach einer bestimmten Zahl von Fehlversuchen aussperrt kann ich typischerweise alle 10 Minuten einen Versuch machen. Wenn mir niemand durch eine Logfileauswertung auf die Schliche kommt, könnte ich das in rund einem halben Jahr durchprobieren (Basis 9 Stunden je Arbeitstag gibt maximal 185 Arbeitstage, im Schnitt errät man das Passwort nach der Hälfte der Versuche). Und das in dieser Zeit das Passwort geändert wird, halte ich für eher unwahrscheinlich – dafür bräuchte man gleichzeitig die Vertreter beider Organisationseinheiten


