Archiv für Allgemein

Fair oder nicht?

Rechtschreibung

Ich bin durchaus froh über die “automatische Rechtschreibkontrolle”. Die kann man aber auch für bestimmte Bereiche ausschalten, sonst wird aus dem englischen I predict a riot das korrigierte I pedigt a rotzot (wobei rotzot vermutlich auch in einem deutschen Wörterbuch nicht vorkommt):

(Frankfurter Rundschau via Bildblog – mit der Auflistung der weiteren Fehler)

“Streichung des Elterngelds für ALG-II-Empfänger, denn Armut soll sich nicht reproduzieren!”

Dieser und andere Slogans wurden vor der Stuttgarter Arbeitsagentur verkündet. Die Presseeinladung und die Flyer sahen nach den “jungen Liberalen” aus. Man muss ja zugeben, dass die F.D.P. schon mit manch komischem Konzept aufgetreten ist (die 18 % Partei, Spaßwahlkampf ,…). Aber eine Aktion ist selbst für diese Partei zu abseitig. Das gesamte Material incl. Presseeinladung und vieles mehr stammt wohl von einer (noch unbekannten) Gruppe. Für Staatsanwaltschaft und Polizei ist das ganze Neuland – die prüfen jetzt erstmal ob/welche Straftaten vorliegen. Die ganze Story bei der Stuttgarter Zeitung.

 

Update vom 08.08.2011:

Die (echte) FDP will in die andere Richtung gehen:

Die FDP-Politikerin verwies auf die neue Kinderstudie des Statistischen Bundesamts, die ergeben hatte, dass Deutschland das kinderärmste Land in Europa ist. „Das Elterngeld hat die Anreizfunktion, die es setzen sollte, nicht erfüllt“, sagte Heise. Aus ihrer Sicht wäre es sinnvoll, zum alten einkommensabhängigen Erziehungsgeld zurückzukehren. „Die, die es finanziell wirklich nötig haben, sollten Unterstützung bekommen.“ Beim Elterngeld gehen Hartz-IV-Empfänger so gut wie leer aus.

Quelle: StN

Weder “Blond” noch “Blöd” [4.Update]

By Megafutzi (Eigenes Werk) [CC-BY-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Andreas Schwartmann hat mich auf Frau Judith Holfelder/Holofernes (Frontfrau der Band “Wir sind Helden”) aufmerksam gemacht. Ein Blick in die Wikipedia verrät, dass die Dame Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert hat. Mit diesem Hintergrund ist ihr klar, dass das Medium die Botschaft ist. Wenn Promis auf großen Plakatwänden über die BILD-Zeitung schreiben ist das Werbung genug, selbst wenn da stehen würde “Bild ist Schrott”. Deswegen kann ich mich auch nicht daran erinnern, was Roger Willemsen geschrieben hat – nur das ich mich gewundert hatte, dass er sich für die BILD-Kampagne hergegeben hat.  Die Dame hat ihre Meinung auch auf der Band-Webseite und nicht auf dem Plakat ausgedrückt, mit absehbarem Ergebnis:

Der Server raucht

Ihr seid leider zu viele und unser Server ist in den Knien.
Wir hoffen bald wieder für euch da zu sein!

Weswegen ihr (wahrscheinlich) auch gekommen seid:

Quelle http://www.wirsindhelden.de/index.html am 26.02.2011

Das die Meinung nicht sonderlich schmeichelhaft ausfallen würde musste klar sein, schließlich war sie auch schon einmal “BildBloggerin für einen Tag”. Dabei hat sie über den “ironischen Bild-Zeitungs-Kunden” geschrieben:

Und, ich weiß, ich soll mich nicht so haben, aber damit hast du dem Feind dein Geld gegeben und mit fuffzig Cent die Writer der Apokalypse finanziert. Denn die “Bild” ist und bleibt kein Lifestyleaccessoire, sondern, für alle Zeiten, das perfideste Werkzeug des Blöden. Blöd wie in: dumm, und “dumm” wie in “Doom”, also Verderben.

Ich selbst habe die Bild Zeitung noch nie gekauft – lese nur die Schlagzeile am Kiosk und höre mir an was mein Bild-Zeitung-Lesender-Kollege so erzählt. Dem habe ich letztens die aktuell 319-Artikel zum Thema im BildBlog empfohlen. Dort werden überwiegend handwerkliche Fehler aufgezeigt: Erfundene Zitate, sachliche Fehler und vieles mehr. Gerne angeprangert, aber eine Ebene schlimmer ist das häufige Eingreifen in die Privat-/Intimsphäre nicht nur von VIP’s, sondern auch von Verbrechensopfern und Tätern oder Menschen, die der BILD sonstwie interessant erscheinen.

Die aktuelle Kritik der Sängerin trifft aber einen deutlich gravierenderen Punkt:

Die BILD -​Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash-​Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle-​Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -​Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.

Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument — nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.

Altkanzler Schröder sah das ähnlich, er wollte alleine mit “Bild, Bams und Glotze” regieren. Auch wenn man über die Wirksamkeit der BILD-Kampagnen streiten kann (z.B. wurde hier darauf hingewiesen, das die BILD “nur” 4 Mio Leser erreicht) ist eine Diskussion über die Rolle der Medien als 4. Gewalt in Zeiten von Internet, Wikileaks sicher nicht falsch.

1. Schlusswort: Immerhin, eines muss man den Werbeprofis lassen. Anders als unser Plagiats-Gutti machen die bessere Krisenkommunikation:

Jung von Matt hat sich gegenüber kress.de zu dem Vorfall folgendermaßen geäußert: “Bild und Jung von Matt haben Wir sind Helden um ihre Meinung zu Bild gefragt und Judith Holofernes hat für Wir sind Helden geantwortet und hat ihre Meinung veröffentlicht. Dass wir niemanden in seiner freien Meinungsäußerung einschränken wollen, haben wir in unserer Anfrage deutlich gemacht.”

Quelle: Kress

2. Schlusswort: Wer die Haarfarbe der Dame beurteilen möchte:

oder in diesem Video:

Update: Die Diskussion geht bei der TAZ weiter. Die Jungs verkaufen Ihre Zeitungsseiten (für ~13.000 €) auch an die Bild-Zeitung:

Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von Ölkonzernen wie BP. Wir würden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht häufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabhängiger Journalismus muss schließlich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr können wir davon machen.Es wäre ja absurd, wenn ausgerechnet die taz, bei der die Werbeeinnahmen in kritische Berichterstattung fließen, auf die Werbeeinnahmen verzichten sollte, während andere davon profitieren. Die Anzeige ist klar als solche erkennbar und daher habe ich keine Bauchschmerzen, dass wir sie abdrucken.

Quelle: Kommentar von Sebastian Heiser

Dabei wird die TAZ doch auch damit, das die Unabhängigkeit durch Genossen und Abonnenten gesichert wird.

2. Update: Diskussion der rechtlichen Aspekte bei Telemedicus, Interviews bei RA Kompa

3. Update: Zur Diskusion ob die Netzwelt auf einen Marketing-Gag reingefallen ist wie hier:

Ach…und war es nicht u.a. die taz, die auch über die Heldenhaftigkeit von Judith Holofernes berichtet hat und die ganze twitter-Welt hat bestimmt, dass die Leadsängerin einer Band, von der vorher nur noch sehr wenig Menschen gesprochen haben, eine ganz tolle Frau ist. Genau diese tolle Frau hat übrigens ein paar Tage später bei “B. trifft” genauso heldenhaft mitgeteilt, dass sie sich sehr über die ganze Publicity freut, denn schließlich geht die Band bald auf Tournee…, tja liebe twitter-Welt: echte Helden wirken im Verborgenen!!

“Wir sind ja sooo deutsch”

Dazu sage ich nur “Tue gutes und rede darüber

4.Update (11.07.2011): Bin über einen guten Artikel zu der Kampagne als solche gestolpert:

Die BILD greift zu einem psychologischen Trick und instrumentalisiert zu dessen Umsetzung willfährige Prominente, die das taktische Manöver entweder nicht durchschauen oder aber – wahrscheinlicher – den persönlichen Anstand zurückstellen. Denn die Botschaft der scheinbar kritischen BILD-Spots ist unzweifelhaft:

So vieles man an der BILD auch kritisieren mag, so unangreifbar ist doch ihre Stellung in der Gesellschaft. Und weil man so unangreifbar ist, besitzt man auch die Souveränität, kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.

Soll die Todesstrafe für xy wieder eingeführt werden?

Katze im Baldriantopf

Diese Frage findet bei Meinungsumfragen immer wieder eine deutliche Mehrheit – und muss deswegen als Argument gegen direkte Demokratie herhalten.

Katze im BaldriantopfVermutlich gibt es da bald etwas Neues: Petition: Arzneimittelwesen – Keine Umsetzung des EU-Verkaufsverbotes für Heilpflanzen vom 20.09.2010. Der Schönheitsfehler an der Petition ist, dass es kein Verkaufsverbot für Heilpflanzen gibt – oder geben soll. Deutschland hat die EU-Vorgaben schon lange umgesetzt: Wer mit einer gesundheitlichen Wirkung wirbt muss diese beweisen (Baldrian zur Beruhigung). Wer einfach nur so die Heilpflanzen verkauft (und darauf vertraut, dass der Patient weiß was er will) darf das auch weiterhin. Der einzige Haken, der wohl wirklich bleibt, ist, dass nicht jeder die Sachen verkaufen darf, sondern nur Apotheker&Co (was sich aber aus dem Petitionstext nicht ergibt).

Also sollte man die Petition schnell ad Acta legen – allerdings sind da 121.819 Mitzeichner und fast 1.500 Diskussionsbeiträge. Es geht daher nicht nur um einen Einzelnen, der eine (falsche) Information von “Webseiten, die die Wahrheit schreiben” in eine Petition umgemünzt hat. Inzwischen ist die Petition deswegen auch in der parlamentarischen Behandlung – mit absehbarem Ergebnis. Es ist offensichtlich auch möglich, mit Falschinformationen eine ordentliche Mobilisierung (und vielleicht auch Mehrheiten?) zu erreichen. So schreibt auch ein Ex-Mitzeichner, dass er leider reingefallen ist und deswegen die Mitzeichnung zurückzieht.

Das BildBlog schreibt etwas über die Hintergründe – auch darüber wie bei der taz die linke Hand nicht weiß, was die rechte schreibt…

Dass “das Volk” auch mal ungute Entscheidungen trifft hat die Schweiz auch schon erfahren – Stichwort “Minarettverbot” – aber auch das man damit umgehen kann. Ich komme aus einem Bundesland, das durch einen Volksentscheid entstanden ist – und bei dem die Ablehnung eines solchen (Stichwort: Stuttgart21) zu undenkbar harten Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Polizei geführt hat. Deswegen: Mehr Demokratie wagen!

GDL mit einem Herz für Frühaufsteher

Vertragsabschluß

bei dem erGDL-Logosten Warnstreik wurde ja gefragt, ob es das Verständnis fördert wenn man bei – 7 °C auf dem zugigen Bahnsteig steht. Diesen Warnstreik konnte man aber einfach umgehen – einfach vor sechs Uhr in den Fahrtbereich von Stadtbahnen o.ä. ankommen. (Wobei ich Glück hatte – meine S-Bahn ist sogar bis 6:15 gefahren – und damit genau bis zu meinerZielhaltestelle )

Am vergangenen Freitag war das sogar noch einfacher – da sollte es erst um acht Uhr losgehen.

Unabhängig davon ist es natürlich immer lästig: Insofern hoffe ich auf einen baldigen Abschluss.

Nach dieser Streikankündigung:

Donnerstag, Betriebsbeginn bis voraussichtlich 10:00 Uhr im Personenverkehr aufgerufen.

muss ich das am 28.02.2011 geschriebene natürlich zurücknehmen.

Wie katapultiere ich mich als Caterer am schnellsten aus dem Geschäft

Nach der Schritt-für-Schritt-Anleitung vom letzten Mal jetzt die schnelle Variante:

  1. Anruf des Chefs: wir können Ihren Mitarbeitern nur noch diese Woche Mittagessen liefern. Ab nächster Woche können wir Ihnen diesen Service leider nicht mehr anbieten.
  2. Allgemeine Verwunderung, wilde Spekulationen über den Grund. Am Ende der ersten Abstinenz-Woche:
  3. Anruf des Junior-Chefs: “Guten Tag, ich wollte mich erkundigen, ob es mit unserem Mittagessens-Service Probleme gab. Uns ist aufgefallen, dass Sie die ganze Woche nichts bestellt haben.”

Also ein echtes Vorbild für interne und externe Kommunikation.

Abgänge II

Die Abgänge unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Mit Horst Köhler ging ein allseits respektierter und akzeptierter Mensch. Mit Jörg Tauss einer, der “irgendetwas mit Kinderpornographie” zu tun hatte. Ein von der Straferwartung her geringes Delikt mit einer ungleich höheren moralischen Ächtung. Man wird nie wissen, ob er sich einfach nur dusselig angestellt hat – oder nicht unter dem Deckmantel der “Recherche” etwas “Vergnügen” suchte . Ich finde es schade um seine nun fehlende Sachkompetenz bei Online-Themen, die den etablierten Parteien bis heute weitgehend abgeht.

Ein weiterer Unterschied ist das Ziel. Köhler wollte mit seinem Abgang ein Zeichen gegen die bürgerliche Koalition setzen die ihn ins Amt gebracht hat – Tauss will mit seinem Abgang ein Zeichen zugunsten der Piratenpartei setzen.

Eine Gemeinsamkeit sind die rund um den Abgang in der Presse aufgetauchten “unvorteilhaften Photos”:

(Quelle: Spiegel Online via Blog zum Medienrecht von RA Kompa)

Ausgesprochen lobenswert ist, dass Tauss geht, um den “Piraten” zu helfen. Das ist eine wohltuende Abwechslung zu den üblichen Frustabgängen nach dem Motto “die sollen sehen, wo sie ohne mich bleiben”.

Abgänge I

Horst…Wer?“(Bild-Zeitungs-Schlagzeile) oder auch der “Sparkassenpräsident” (wie er vom politischen Gegner genannt wurde) ist Geschichte.

Er hat die Aufgabe, die dem Bundespräsidenten zukommt, insbesondere dessen Integrationsfunktion, gut ausgefüllt. Er war quer durch alle Schichten akzeptiert – kein Politiker, sondern ein echtes Staatsoberhaupt. Er hat Deutschland durch schwierige Zeiten (Bundestagsauflösung, Krieg,Winnenden) geführt. Seine Impulse an die Tagespolitik waren selten – aber wertvoll. Mit seinem Abgang hat er einen lauten Akzent gesetzt. Ein Zeichen gegen die alltäglichen Angriffe in der Tagespolitik, gegen den Vorrang von Parteiengezänk vor dem inhaltlichen Disput und gegen den Verlust von Respekt.

Man greift kein Staatsamt und dessen Inhaber an. Man läst diesen vor allem auch nicht im Regen stehen. Da fehlt es an Anstand und Sitte – ein Verfall, den er selbst gerade bei den für die Finanzkrise Verantwortlichen kritisiert hat.

Aus dem Online-Angebot der Süddeutschen Zeitung stammt dieses Photo, das einen – wie ich finde – sehr unvorteilhaft getroffenen Bundespräsidenten zeigt:

Köhler mit Sonnenbrille und Barett

(Quelle:Süddeutsche via  Küchenkabinett)

Wer den Stein des Anstoßes komplett lesen will wird bei dradio fündig.

Stuttgart

In Stuttgart gibt es ein Blog-Projekt:

http://www.stuttgart-blog.net

Sind nette Artikel dabei, ich habe mich als Autor registrieren lassen – mal sehen, wann ich den ersten Beitrag schreibe…